Kommende Oper "Tod im Sankt Johann"

Musik: Andreas B. Pflüger
Libretto: Sigfried Schibli
Musikalische Leitung: Facundo Agudin
Orchestre Symphonique du Jura

Dauer der Oper ca. 90 - 100 Minuten

Uraufführung und 7 Folgevorstellungen sind vorgesehen für September 2008 in der "Imprimerie" in Basel (St.Johann!). Weitere Spielorte in Basel-Land, Jura und Solothurn.

Das Orchester

1 Flöte, 1 Oboe, 1 Klarinette (B), 1 Altsax (Es), 1 Fagott
2 Hörner (F), 2 Trompeten (C), 2 Posaunen
Schlagzeug (2 Spieler), 1 Keyboard
2 Violinen, 1 Viola, 1 Violoncello, 1 Kontrabass

Gedanken zur Oper

Aus Leidenschaft, Eifersucht oder aus reinem Vergnügen ermordete junge Damen und Herren gibt es in der Geschichte der Oper haufenweise, was es aber noch nicht gibt, ist dieselbe Geschichte unter älteren Herrschaften: die Psychologin Julia Sommer wird in ihrem Beratungszimmer einer Wohngemeinschaft für Senioren/innen ermordet aufgefunden. Die folgende minutiöse Aufklärung des Mordes geschieht durch einen Superdetektiv mit der tatkräftigen Hilfe eben jener älteren Herrschaften. Und last but not least, einer cleveren Journalistin. Eine spannende und unterhaltsame Geschichte – ein Opernabenteuer.

Die Aktualität des Stoffs liegt in der „umgekehrten Alterspyramide“, die von der Gesundheitsindustrie längst aufgegriffen wird. Werbung im Fernsehen und in Printmedien richtet sich zu einem respektablen Teil an Menschen mit spezifischen Altersproblemen – von Knoblauchkapseln über Zahnimplantate bis zur Seniorenresidenz. Jetzt entdeckt auch die Kulturszene das Phänomen des Alters beziehungsweise des Alterns. Das Leben ab 60 wird zunehmend als in sich stimmig und sinnerfüllt, nicht nur als Verlust von Jugendlichkeit und Energie, begriffen. So wird am Neumarkt-Theater in Zürich Martin Suters Stück „Mumien“ gespielt. Der Schweizer Film "Herbstzeitlose" thematisiert auf unterhaltsame Weise Altersfragen. Zeitschriften wie "50 plus" erreichen ein interessiertes Lesepublikum. Der Roman "Tod auf der Fähre" von Anne Gold (Pseudonym) ist ein Verkaufserfolg. Im ZDF gibt es eine Docu-Fiction-Serie "2030 – Der Aufstand der Alten", die die Sorgen und Freuden sogenannter "Woopies" (Well-off older people) thematisiert. In Deutschland wird ein Fernsehsender "Bono TV" speziell für Themen der "zweiten Lebenshälfte" seinen Betrieb aufnehmen. Sachbücher wie Reimer Gronemeyers "Kampf der Generationen" und Frank Schirrmachers "Methusalem-Komplott" behaupten auf dem Buchmarkt sichere Plätze. Kongresse bündeln wissenschaftliche Forschung und soziale Anliegen rund um das Alter(n).

Die Musik zu einem solchen Werk voller archaischer Emotionen und klar gezeichneter archetypischer Figuren kann nur auf einer sinnlich zugänglichen Ebene geschaffen werden, denn ein unmittelbar erlebbares Opernabenteuer, und um ein solches soll es sich ja handeln, lässt sich durch rein strukturell-analytisch konzipierte Musik nicht verwirklichen. Die Musik in dieser Oper liefert auf einer vom Text autonomen Ebene eine emotionale Vorstellung der Handlung - die Zuschauer werden also auf vielfältigen Erlebensebenen, in verschiedenen emotionellen Dimensionen zu Teilhabern und Mitspielern der Handlung, ja sogar zu Mittätern.

Das Werk wird einerseits durch professionelle Sänger und Musiker realisiert, andererseits sollen Leute aus Seniorenheimen als Statisten/innen und Assistenten/innen eingesetzt werden. Diese Durchmischung der darstellerischen Möglichkeiten lässt das Werk sehr lebendig werden. Die Oper wird, ohne den erhobenen Zeigfinger einer moralinsaueren Belehrungsattitüde, zu einem sozialen Bindeglied zwischen Jung und Alt.

Die Figuren sind ein buntes Gemisch von Leuten, denen wir im täglichen Leben ständig begegnen und die auf den ersten Blick kaum aus ihrer Normalität heraustreten bis eben ein Mord passiert.

Andreas B. Pflüger, Juni 2007