Kammeroper von Andreas B. Pflüger
Libretto: Bruno A. Nauser
Uraufführung Theater auf dem Gurten in Bern
Weitere Vorstellungen in Zug, Aarau, Zürich und Basel
Regie: Katharina Rupp
Musikalische Leitung: Facundo Agudin
Die Kammeroper führt uns in die menschliche Einsamkeit und die Ängste der heutigen Zeit. Den Ausweg welchen die Protagonisten suchen ist der virtuelle Chat, in dem sie in andere Identitäten schlüpfen können. Microsophisto, der mephistophelische Verführer der Neuzeit, eine diabolische Sprechrolle, führt durch das gesamte Geschehen, versucht ohne Erfolg die Seelen der Menschen zu ergattern. Die Musik zieht mit madrigalen Klängen aus dem Mittelalter gekonnt Parallelen der Einsamkeit und der Ängste in jener Zeit, welche damals zu fundamentalistischem Handeln und Ausgrenzungen führte, wobei die Menschen ihr Heil in der virtuellen Mystik suchten.
Wir erleben die Darsteller vorerst als Chatter in ihren sich selbst ausgewählten Identitäten. So stellt sich ein über 90-jähriger Greis als starker Mann dar und versucht eine Frau, welche sich als Vamp ausgibt, jedoch eine Jugendliche ohne Erfahrung ist, zu erobern. Nachbarn, welche sich bis aufs Blut im realen Leben bekämpfen, turteln unbeabsichtigt verliebt miteinander im Internet und eine übergewichtige Dame gibt sich einem vermeintlichen, schlanke Frauen liebenden Rocker virtuell hin; einem Millionär, der versucht, ein Tröpfchen Blut sich zu sichern.
Als die Chatter dann ein Treffen im Wirtshaus zum alten Leffen ausmachen, ist die Ernüchterungskatastrophe programmiert! Da niemand der modernen, aufgeklärten Menschen mehr an den Teufel glaubt, wird Microsophisto verprügelt, dem Millionär die Schuld an der realen Situation angelastet, während die Chatter beschliessen erneut ihren Fantasiewelten nachzuhängen und im Chat ihr Glück zu suchen. Die Oper lebt von Verwechslungen, virtuellen Liebesgeschichten und viel Action, welche die Bühne stets in Bewegung hält.
Andreas B. Pflüger, Basel, April 2006